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Bierige Grüße

Die Ursprünge des Bierbrauens in Österreich gehen auf Weitra zurück. Heute ist die Privat-Brauerei Weitra Bräu im Besitz der Zwettler Brauerei, produziert wird aber nach wie vor handwerklich und einzigartig wie anno dazumal.

IN WEITRA ...

Brauerei Weitra Bräu

... BLICKT MAN SCHON SEHNSÜCHTIG EINEM JUBILÄUM ENTGEGEN.1321 verlieh der Habsburger Herzog Friedrich der Schöne den Bürgern von Weitra das Braurecht. Also vor bald 700 Jahren. Damit ist die kleine Stadtgemeinde im tiefsten Waldviertel Österreichs älteste Braustadt. Unzählige Brauhäuser prägten das Ortsbild. Unter anderem das Herrschaftliche Hofbräuhaus, das 1912 in den Besitz der Familie Pöpperl überging und als Weitra Bräu regionale Bekanntheit erlangte. Mit der Jahrtausendwende wurde es für die Privatbrauerei immer schwieriger, allein zu überleben. Die eigene Abfüllanlage hatte man zu dem Zeitpunkt schon längst geschlossen und eine Kooperation mit der Zwettler Brauerei vereinbart. 

„Ich erinnere mich noch gut an das Gespräch mit Hermann Pöpperl im Jahr 2003. Aufgrund unserer guten Zusammenarbeit bat er mich, dass wir auch die Privatbrauerei übernehmen, mit der dringenden Bitte, dass wir die alte Brauerei weiterführen und nicht nur die Etiketten auf unser Bier geben.

Karl Schwarz, Brauereibesitzer

TRADITION, DIE BESTEHT

Die Familie Schwarz ist seit 1890 im Besitz der Zwettler Brauerei, die davor zum Stift Zwettl gehörte. Karl Schwarz übernahm vor 20 Jahren die Geschäfte seines Vaters und führt das Unternehmen in fünfter Generation. Um eine Nachfolge muss er sich keine großen Sorgen machen. Sowohl der 20-jährige Sohn als auch die 17-jährige Tochter sind dem Brauereimetier nicht abgeneigt. Aber zurück zum Vieraugengespräch zwischen Hermann Pöpperl und Karl Schwarz: „Ich musste nicht lange überlegen. Aus emotionaler wie auch aus kaufmännischer Sicht lag es nahe, dieses Juwel in unseren Verbund aufzunehmen.“ Stark sei auch die Unterstützung von Kolarik & Leeb gewesen. „Sie haben sehr geholfen, Weitra Bräu in Wien bekannt zu machen. Heute ist die Marke im Großraum Wien ein unverbrauchtes, klassisches Nischenprodukt, das einerseits im studentischen Bereich, andererseits auch in der Top-Gastronomie stark vertreten ist“, so Karl Schwarz.

MEHR HANDWERK GEHT NICHT

Durch das Glasfenster des Sudhauses sind die beiden Kupferkessel vom Vorplatz aus zu sehen. Hier wird die Würze für zwei Biersorten gebraut:  „Weitra Helles“ und „Hadmar BIO-Bier“ – benannt nach dem Stadtgründer Hadmar II. von Kuenring. Fürs Hadmar Bio-Bier kommen ausschließlich Bio-Hopfen und Bio-Gerste zum Einsatz. Optisch fällt die Bernsteinfarbe auf, geschmacklich das dominante Röstmalzaroma. „Hadmar hat einen starken Körper, ist vollmalzig, vollmundig und wird als Bier nach ,Wiener Typ‘ bezeichnet“, erklärt Braumeister Heinz Wasner. „Weitra Helles leuchtet goldgelb und hat eine deutliche Hopfen-note. Es ist weniger bitter und erhält dadurch eine angenehme Süffigkeit.“ Die Rohstoffe haben jedes Jahr andere Charaktere. 

Braumeister Heinz Wasner (links) und Brauereibesitzer Karl Schwarz (rechts)

Damit die Bierqualität immer gleich bleibt, müssen die Rezepte stets an die Rohstoffe angepasst werden. Wasner kümmert sich nicht nur um den Einkauf der Zutaten und die Rezeptmischung, sondern auch um Neuinvestitionen. „Im Sinne der Qualitätsgarantie sind gewisse Modernisierungen unerlässlich.“ So wurden zum Beispiel in die historischen Kupferkessel moderne Edelstahl-Läuterbottiche eingebaut und Automatisierungsprozesse vorgenommen, wie das Hochleistungs-Einmaischesystem  „Alloysius“ oder Edelstahl-Hopfengeber, die zum richtigen Zeitpunkt den Hopfen beimengen. Trotz mancher Automatisierungen wird noch immer sehr viel händisch getätigt – und darauf auch stark Wert gelegt. Deshalb verdient sich Weitra Bräu den Namen „Bierwerkstatt“ und ist wortwörtlich genommen ein vorbildliches Craftbier.

OFFEN VERGOREN, KALT GELAGERT

Der größte Unterschied im Produktionsprozess zu manch anderen Bieren zeigt sich bei Gärung und Lagerung. Nachdem die fertiggekochte Würze vom Sudhaus gekühlt, belüftet und mit Hefe versetzt wurde, kommt sie nicht in einen geschlossenen Tank, sondern in offene Gärbottiche. Bei niedrigen Temperaturen entsteht durch die Hefe, die den Malzzucker verstoffwechselt, Kohlensäure. Die Bläschen steigen auf und reinigen auf diese Weise das Jungbier. Alle unedlen Bitterstoffe wandern an die Ober-fläche und bilden eine Kräusedecke, die der Bierbrauer abschöpft. „Geschmacklich ist das Weitra Bier dadurch milder“, sagt Wasner. Nach rund einer Woche in den Gärbottichen wird das Bier in riesige Lagertanks im Keller gepumpt, wo es rund sechs Wochen nachgären und lagern darf, ehe es in den Tankwagen und zur Abfüllung nach Zwettl geht.

„Geschlossene Gärung ist hygienisch natürlich leichter zu beherrschen als offene. Daher werden im Weitra Bräu auch keine Führungen angeboten.“ Die wohl größte Investition der letzten Jahre war der Zubau eines neuen Gär- und Lagerkellers. Hochmoderne Tanks, die im Unter-schied zu den alten nicht händisch  gereinigt werden müssen. Funktioniert alles automatisch. Im neuen Gär- und Legerkeller setzt man auch auf eine Gärung im geschlossenen System. In den Flaschen landet dann jeweils halbe-halbe offen und geschlossen gegorenes Bier. Der Zubau des neuen Kellers war notwendig, um auf eine Kapazität von knapp 20.000 Hektolitern pro Jahr zu kommen. Noch immer verschwindend klein, verglichen mit dem großen Bruder in Zwettl, wo jährlich rund 190.000 Hektoliter produziert werden.

Website: www.bierwerkstatt.at

Die Weitra Bräu-Biersorten

Zwei Biersorten werden im Weitra Bräu erzeugt:

Anna Horngacher
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