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Die Hipster Tischler

Holz & Metall. Das Drei-Mann-Start-up „Dreikant“ mausert sich zum Spezialisten für Unternehmens- und Lokaleinrichtungen.

Hölzern.

Der Wind pfeift wie ein Teekessel durch die undichten Fenster der alten Werkstatt in Golling. Aber bald übertönt ihn der Lärm der Motorsäge. Matthias Lienbacher (25) bearbeitet eine heimische Eiche. Der nächste Designertisch steht auf dem Programm. Gemeinsam mit Mario Siller (26) und Stefan Rehrl (26) bildet Matthias das Handwerks-Trio „Dreikant“. Er ist als Absolvent des Holztechnikums in Kuchl für die Holzarbeiten zuständig, Stefan als Meister im Maschinen- und Metallbau übernimmt die Schweißverfahren, während Mario Buchhaltung und Aufträge managt und darauf bedacht ist, dass am Ende des Tages schwarze Zahlen auf dem Konto stehen. Schon in der Hauptschule hingen die drei Burschen aus dem Bezirk Hallein am liebsten gemeinsam herum.

Nach der Schule schloss jeder seine eigene Ausbildung ab, aber die Wege führten die Jungs bald wieder zusammen. Startschuss für die gemeinsame Firmengründung war eine private Auftragsarbeit. Stefans Eltern benötigten einen neuen Couchtisch. Das Dreigespann designte ein elegantes Model mit einer Eichentischplatte aus einem Stück und zwei S-förmigen Edelstahlbeinen. Das machte den drei Freunden so viel Spaß, dass sie weitere Unikate erzeugten und damit von Messe zu Messe tingelten. Beim Publikum stießen die einzigartigen Möbelstücke sofort auf positives Echo. Zum Beispiel bei „Lisa-Alm“-Boss Erich Tiefenthaler, der in seinem Lokal in Flachau so manche Produkte von Dreikant zur Schau stellt –wie zum Beispiel einen riesigen Esstisch. Den Durchbruch erzielte das engagierte Handwerks-Start-up aber mit dem Auftrag über eine ganze Lokaleinrichtung in der „Genusskrämerei“ in der Halleiner Innenstadt.

Individualisierte Möbel

Aaron Priewasser, Chef der Genusskrämerei, kennt die Dreikant-Boys ebenfalls aus der Schulzeit. Er machte sich in etwa zur gleichen Zeit selbständig wie Matthias, Mario und Stefan. „Ich übernahm das Geschäft meiner Mutter und erweiterte die Krämerei um ein Lokal. Für den Gastrobereich wollte ich keine Standardeinrichtung, sondern etwas Unverkennbares“, erinnert sich der junge Gastronom zurück, wie er seine Kumpels kontaktierte. Herausgekommen sind Barhocker, Bistrotische, Esstische, Bänke sowie verstellbare Wein- und Bierregale im Pub-Look, die durch Individualität, Langlebigkeit, Design und Funktion überzeugen. „Sie sehen nicht nur cool aus, sondern sind auch bequem“, zeigt sich Aaron begeistert. „Diese Möbelstücke könnten genauso gut in einer urigen Skihütte stehen, würden aber auch in einem Haubenlokal eine gute Figur machen.“

Von diesem Auftrag an war für Dreikant klar, dass man sich noch stärker auf die Kompletteinrichtung von Lokalen und Unternehmen konzentrieren möchte. „Wir liefern nicht nur die Möbel, sondern ganze Konzepte“, erklärt Mario den Mehrwert des Start-ups. Zum Beispiel für den Bike-Shop „Gran Tourismo“ in der Salzburger Innenstadt. „Wir fanden ein 300 m² großes leeres Geschäftslokal auf zwei Ebenen vor. Man ließ uns bei dem Konzept völlig freie Hand. Voraussetzung: Stellplätze für rund 24 Fahrräder und genügend Platz für Gewand und Accessoires“, erzählt Stefan. „Von der Idee bis zur fixfertigen Umsetzung hatten wir knapp eineinhalb Monate Zeit.“ Die Tennengauer Jungs sind also trotz Perfektionismus und Maßanfertigung richtig schnell. Müssen sie auch sein, denn es klopfen immer mehr Unternehmen und Gastronomiebetriebe an, um Unikate zu bestellen. So gut es geht, liefern Matthias, Mario und Stefan die fertigen Kunststücke selbst aus, da ihnen der persönliche Kontakt sehr wichtig ist. Ein weiteres Meisterwerk auf ihrer Liste an coolen Kreationen war auch die Bar, die die drei speziell für Kolarik & Leeb für die GAST 2017 designt und gestaltet haben.

Luktrative Partnerschaften

Um Synergien zu beflügeln, baut das Trio auf die Community. Mit „Dreikant & friends“ ermöglichen Matthias, Mario und Stefan ihren Partnern eine Präsentationsplattform. Von der Ledermanufaktur über Drechsler und Holzschnitzer bis hin zum Schwemmholzsammler stellt Dreikant ein Dach über Klein- und Jungunternehmer und organisiert Gemeinschaftsevents. Gegenseitig empfehlen sich die Partner weiter. „Eine Win-win-Situation“, sagt Mario. „Häufig passen zu Aufträgen weitere Produkte, die man zwar selbst nicht fertigt, für die man aber jemanden im Partner-Netzwerk zur Verfügung hat, der das übernehmen könnte.“ Kooperation lebt Dreikant auch in der Creativ Werkstatt im Colloredo-Sudhaus in Hallein, in der die Designmöbel in Kombination mit einem Küchenstudio zur Besichtigung stehen.

Darin zu sehen sind etwa der bisher größte Esstisch aus der Dreikant-Schmiede mit 3,50 Meter Länge und 1,25 Meter Breite sowie das Gewinnermodel des Designwettbewerbs „Salzburger Tisch 2017“ mit originellen Winkelmaßen. Von diesem Model ließ sich der Rektor der Med-Uni Innsbruck eine eigene, maßgefertigte Ausführung als Schreibtisch zimmern. Zu den Stärken der Hipster-Tischler zählt aber auch der Umgang mit neuen Technologien und Social Media. Das Smartphone ist immer bei der Hand, mit Facebook und Instagram als ständigen Begleitern. Mundpropaganda funktioniert in der schnelllebigen Zeit von heute eben anders als noch gestern. Da können selbst die alten Hasen aus der Handwerksbranche von den jungenShootingstars noch lernen.

Meisterwerke aus Holz und Stahl

In reinen Materialkosten und Arbeitsstunden lässt sich die Herstellung der speziellen Tische, Stühle und Regale nicht berechnen. Allein schon wegen der Individualität. Viele der Tischplatten sind aus einem Stück gefertigt. Richtig massive Teile, am häufigsten aus Eiche, manchmal auch aus Nuss, Esche, Lärche oder sogar aus Holz vom Trompetenbaum. „Es ist nicht so, dass wir das Holz bekommen und sofort bearbeiten können. Je dicker die Platte, desto länger muss sie lufttrocknen. Das kann bis zu fünf Jahre dauern“, sagt Matthias, der bei der Rohstoffauswahl regionale Ware bevorzugt. „Man darf das Eigenleben des Holzes nicht unterschätzen. Bearbeitet man es zu früh, kann sich der Tisch verziehen.“ Zum Lufttrocknen eignen sich Schatten und Wind. Einen besseren Platz als vor der Werkstatt kann es da kaum geben. Die unmittelbare Nähe zu den Felswänden des Ofenauer Bergs schützt vor zu viel Sonneneinstrahlung und der Wind bläst den ganzen Tag. Dann geht es ab in die Vakuumtrockenkammer. Die genaue Behandlung des Materials bleibt aber Betriebsgeheimnis. Mehr Infos: Dreikant

Clemens Sadnik
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