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Jungwein als Verbote

Der Jahrgang 2017 in der Thermenregion

Wir waren gemeinsam mit dem Experten von Del Fabro bei der Jungwein-Lese am Weingut Auer dabei und haben einen ersten Eindruck vom heurigen Jahrgang gewonnen.

Trauben-Talk

Wenn Leopold Auer ab Mitte September seine Lagen betritt, erzählen ihm die Trauben bereits vieles darüber, wie sie sich, verarbeitet zu herrlichem Wein Jahrgang 2017, nächstes Jahr machen werden. Ein bisschen etwas, was seine „Gefährten“ ihm alles verraten, hat er wiederum uns erzählt. Zusammen mit Christoph Hess, Weinberater bei Del Fabro, waren wir bei der Jungwein-Lese im niederösterreichischen Tattendorf dabei. 

Der Jungwein als Plaudertasche

Weinberater Christoph Hess (links) & Winzer Leopold Auer (rechts)

„Der Jungwein ist der erste Indikator für den Jahrgang“, so Leopold Auer, Weinbauer in zweiter Generation – und aus Leidenschaft. Mit den heurigen Trauben zeigt er sich überaus zufrieden: Das Wetter im September, die kühlen Nächte und selbstverständlich der für Rotwein ideal geeignete Boden – der Schwemmland-Schotterboden der „ebenen“ Thermenregion - haben für eine optimale Reife gesorgt. Für den Jungwein liest Auer, etwa Mitte September, größtenteils Blauen Portugieser – hinzu kommen ein Teil Pinot Noir und ein Teil St. Laurent.

Denn als „Burgundermacher“ – ein Zusammenschluss von acht Winzern der Region – keltern die Weinbauern vor den Toren Wiens eine Cuvée als Jungwein. Jeder bringt Proben mit, es wird blind verkostet – dann verschnitten. „In der Geschichte, und das hat auch einen wesentlichen Anteil daran, war der Blaue Portugieser immer dafür prädestiniert, weil es ein zeitigerer und ein milder Rotwein ist.“ Ab Ende Oktober, „traditionell zur Ganslzeit“, wie der Winzer sagt, kommt der Jungwein – im Fall der Burgundermacher ein Roter – in den Verkauf. 

Rotwein als Prophet

Jungwein als solcher hat nicht die Klasse eines gereiften,  wertigeren Weins – muss er aber auch nicht. Er ist ein fruchtbetonter, frischer Anhaltspunkt für eben das, was das Weinjahr bringen wird, und wird als solcher auch geschätzt. „Bei unserem Heurigen warten die Leute schon darauf und sind neugierig, weil der Jungwein tatsächlich ein Vorbote für den Jahrgang ist; man kann schon ein bisschen schmecken, wie das Jahr wird“, so Leopold Auer. 

Man bekommt einen Einblick in den Jahrgang und hat gleichzeitig einen fruchtigen, unkomplizierten Wein als Gaumenfreude. Im Jungwein merkt der Kenner schon, ob das Jahr eher säurebetont, eher voller oder dergleichen wird.

Christoph Hess, Weinberatung bei Del Fabro

Der Rotwein ist als Auspizium für den Jahrgang laut Auer bedeutender als der Weißwein. Das ist zurückzuführen auf die „Erscheinungszeit“ des edlen Nasses, denn die neuen Weißen können ab Dezember verfügbar sein, bei den schwereren Roten kann es bis zu einem Jahr dauern, bis sie abgefüllt werden.

Und das macht es für den Konsumenten interessanter, den Jahrgang zu kosten, weil man dann doch ein halbes Jahr vorher einen Einblick gewinnen kann.

Leopold Auer, Weinbauer in 2. Generation

Das sagen uns die Trauben

Der Grad an Trockenheit spielt natürlich wie jedes Jahr eine wesentliche Rolle für den kommenden Jahrgang. Bei der Lese für den Jungwein zeigt sich am besten, wie es mit den Trauben beschaffen ist. „Es wird sicher große regionale Unterschiede geben – je nachdem, ob es zu trocken war oder nicht“, sagt Leopold Auer. Die Trockenheit hat ihren Beitrag geleistet, denn die Weintrauben sind gesund und gut gewachsen. „Wenn es kritisch wäre, würden wir jetzt schon Botrytis haben – und das haben wir dank der Trockenheit nicht.“ 

„Wir haben ein wirklich reifes Trauben-material, ohne jede Fäulnis oder Krankheiten. Alles ist ‚pumperlg’sund‘ und weist eine hohe natürliche Reife auf“, fügt der Del Fabro-Sommelier hinzu.  „Aus meiner Sicht ist eine lange Herbstphase für kräftigere Weine ideal. Wenn wir ein ‚zeitiges‘ Jahr haben und einen schönen Herbst – so wie er sich jetzt zeigt –, spricht das sicherlich für eher kräftige, volle Weine“, zeigt sich der Winzer zuversichtlich. Für sein „Revier“, die flache Thermenregion rund um Tattendorf, war es bis jetzt ein ideales Rotweinjahr. „Es zeichnet sich ein wirklich positiver Jahrgang ab!“ 

Auch um mit dem Jungwein einen besseren Gesamtüberblick über den Jahrgang zu bekommen, haben sich die „Burgundermacher“ für eine Cuvée entschieden. Wurden früher –auch zur Zeit des Jungwein-Booms in den 80er-Jahren – reinsortige Exemplare bevorzugt, verfolgen Auer und seine Kollegen einen anderen Ansatz: „Wir machen eine Cuvée, wo ein Pinot Noir, also eine fruchtige, rotbeerige Geschichte dazukommt. Denn so macht es das Aroma des Jungweins auch ein bisschen interessanter.“

Weiteres unter www.weingutauer.at und www.delfabro.at

Gabriela Sedivy
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