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Weine mit Kraft und Eleganz

Wie rettet man den Sommer in die herbstliche Küche? Am besten mit würzigen Weinen, die den Charme Südfrankreichs ins Glas transportieren. Wir stellen die Geheimtipp-Winzer vor.

Ab in den Westen

Nördlich der Côte d’Azur gibt es Welten zu entdecken. Denn abseits des Nippens am Rosé im Yachtclub warten Weine, die noch zu den gut gehüteten Geheimnissen der Sommelerie gehören. 

Den Syrah kennt man, dann vielleicht noch den Grenache, aber mit Cinsault, Mourvèdre, Carignan, Clairette, Rolle oder Ugni überrascht man auch Weinkenner noch.

Benjamin Mayr von Del Fabro

Ähnlich wie in Österreich führe auch international ein Trend weg von den allzu schweren Weinen, hin zu vibrierenden Varianten, so der Experte. In ihrer leichteren Art erzählen sie dennoch viel von ihrer Herkunft. So mancher frühere Bordeaux-Trinker findet diese Qualität heute in den Weinen der Côtes de Provence. Dazu kommt, dass diese Region einen besonderen Schatz, nämlich alte Rebanlagen, hütete. Diese geben bekanntlich besonders würzige und komplexe Weine. „Ein Drittel unserer Rebstöcke ist über 40 Jahre alt“, erzählt etwa Schlossherr Raimond de Villeneuve vom Château de Roquefort. „Ein weiteres Drittel der 24 Hektar Weingärten ist zwischen 15 und 40 Jahren, und das merkt man auch.“ Die traditionelle Vermählung der lokalen Sorten in einer Cuvée nützt man hier sogar beim vermeintlich einfachen Rosé. 

Der „Corail“, ein perfekter Aperitif für das ganze Jahr, ist mit seiner zwischen Himbeeren und Zitrusfrüchten balancierenden Art ein gutes Beispiel für die lebendigen Weine Südfrankreichs. Eine weitere Spezialität aus dem Keller de Villeneuves trägt das Salzige sogar im Namen: Der weiße „Salé“ wurde nach dem Spitznamen der Sorte Clairette benannt und bringt das Flair der Küste spürbar auf den Gaumen. Dass das in deutlicher Entfernung zum Mittelmeer funktioniert, liegt an den erstaunlichen Bodengegebenheiten in den zwanzig Weinregionen mit Herkunftsbezeichnung (AOP) innerhalb des Rhônetals.

Kein Käse, diese Roqueforts

Das unterschiedliche Terroir der Weine wird alle überraschen, die bei Provence nur an Urlaub am Meer denken. Denn die vom – immerhin 1.042 Meter hohen – Massif de la Sainte-Baume Richtung Meer abfallenden Kuppen und Hochplateaus zeigen nur „einen geringen marinen Einfluss aufgrund ihrer Höhenlage“. Das felsige Amphitheater, in dem Raimond de Villeneuve seine Weine kultiviert, kommt ohne Pestizide aus, auch die Düngung überlässt er Begleitpflanzen in den Weingärten. Entlang der Rhône sind es Winzer wie de Villeneuve oder sein Kollege Jérôme Castillon, die für eine Weinqualität sorgen, die es hierzulande zu entdecken gilt. 

In der neunten Generation Winzer, führt der Agrarökonom und Önologe Castillon heute das Weingut Château l’Ermitage in der Nähe von Nimes. Mit dem Schotterboden ergibt sich in den „Costières de Nîmes“ allerdings ein anderer Typ von Finesse als im nahe gelegenen Bergland. Der Haupteinfluss auf die Weine ist natürlich mediterran, aber es gibt auch ein spezielles Mikroklima, das an der Südseite der Costières von kühlen Winden geprägt ist. „Das erlaubt uns, die Frische beim Weißwein und Rosé zu erhalten – bei den Roten liebt der Mourvèdre diesen Einfluss“, erklärt Monsieur Castillon ein Geheimnis der Region. Während diese Gegebenheiten die Würze der Rotweine erklären, ergeben sie bei Grenache blanc, Roussanne und Viognier im Glas quasi eine Urlaubsfahrt in die Provence: weiße Blüten, Marille und grüner Pfeffer.

Die Weine mit dem Krokodil

Der Mourvèdre, Castillons große Leidenschaft, wurde einst sogar als „Plan de Saint-Gilles“ bezeichnet. Er ist also nach dem Dorf benannt, in dem Castillon seine 80 Hektar bewirtschaftet. Und er spielt in der Cuvée, die man am ehesten mit der Region verbindet, eine zentrale Rolle. „GSM“ hat dabei nichts mit Handy zu tun, sondern steht für die klassische Rezeptur eines Blends aus Grenache, Syrah und Mourvèdre. Die dunkle Frucht des Grenache trifft auf die Frische und die Cassis-Töne des Syrah, während der Mourvèdre für die Lagerfähigkeit sorgt. „Von ihm stammen aber auch die Gewürznoten und die Lakritznoten“, schlüsselt der Château l’Ermitage-Önologe die Cuvée auf.

Als Wappentier hat man sich in der Region daher auch das Krokodil gewählt. Wie die Weine im GSM-Stil steht es für Kraft und Eleganz. Castillon ist übrigens auch das südwestlichste Mitglied der Winzer-Vereinigung „Ambience Rhône Terroir“ (kurz: A.R.T.), deren Weine Del Fabro exklusiv nach Österreich bringt. Die gesamte Bandbreite der Landschaften im Rhônetal – von den Hängen des Mont Ventoux bis fast ans Meer – hat die achtköpfige Gruppe in ihren Weinen eingefangen. „Es gibt viel zu entdecken“, freut sich Benjamin Mayr von Del Fabro entsprechend über dieses außergewöhnliche Gastro-Sortiment. Oder, wie er es nennt, „den täglich buchbaren Südfrankreich-Urlaub“.

Helmut Riegler
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