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Wir machen eine Hochzeit unter Schwestern

Die Getränkehandelshäuser Del Fabro und Kolarik & Leeb schließen sich zusammen. Im Interview erklären die neuen Co-Geschäftsführer Franz Del Fabro und Dr. Gerfried Kusatz, wie sich alles ändern wird, damit für die Kunden alles beim alten bleibt. Und wie sie den Markt in den Bundesländern neu aufrollen möchten. 

Franz del Fabro (links) und Dr. Gerfried Kusatz (rechts)

Hier der Wein- und Spirituosenspezialist Del Fabro, da der Bierexperte Kolarik & Leeb: Wie kommt man auf die Idee, zwei so unterschiedliche Unternehmen zu fusionieren? Das wird doch nicht das Ergebnis einer durchzechten Nacht gewesen sein?

DEL FABRO: (lacht) Na ja, zum Ersten: So unterschiedlich sind wir nicht, es gibt schon seit Jahren sehr viel, das uns verbindet, unter anderem die Liebe zu unseren Produkten. Es hat auch keiner durchzechten Nacht bedurft, weil wir uns schon lange kennen und zusammenarbeiten. Seit 2009 haben wir eine Kooperation, in der wir einerseits das Thema Wein und Spirituosen für Kolarik & Leeb übernehmen und sie andererseits das Bierthema für Del Fabro machen.

KUSATZ: Das fasst es gut zusammen. Eines ist aber schon sehr richtig und wichtig: Über die Jahre war durchaus das eine oder andere Glas Bier oder Wein dabei, das uns einander näher gebracht hat. Wenn man mit Menschen zusammenarbeitet, mit denen man sich gut versteht, dann geht man eben auch gern gemeinsam wichtige Schritte und große Projekte an. Das gilt genauso für unsere Mannschaften, die schon jetzt sehr eng am Markt zusammenarbeiten. So ein Grundverständnis ist die Basis für zahlreiche neue Chancen. Und diese Chancen gemeinsam zu nutzen, unseren Kunden noch besseren, umfassenderen Service zu bieten – das ist der Sinn unseres Zusammengehens.

Franz del Fabro - Geschäftsführer Del Fabro

Was bedeutet es konkret für die Kunden – wird der Del Fabro-Weinexperte ab jetzt auch für die Bier-Schankanlage zuständig sein und umgekehrt?

DEL FABRO: Nein, es bleibt natürlich so, dass wir in jedem Bereich unsere ausgewiesenen Experten haben – bei Bier sind und bleiben das die Kollegen von Kolarik & Leeb, bei Wein und Spirituosen sind das unsere Leute. Das stellt sicher, dass wir unseren Kunden tatsächlich auf jedem Feld die beste Expertise der Branche bieten. Und es ist natürlich ein Teil der Vision, die dieser Hochzeit innewohnt: Dass wir in wirklich jeder Getränkekategorie herausragendes Know-how ausspielen können. Mit dem Kaffee, den Kolarik & Leeb in Form der Exklusivvertretung von Lavazza mit einbringen, kommt da noch ein weiteres, weites Feld hinzu. 

Wenn Sie von Hochzeit sprechen – in Wahrheit ist das eine Heirat unter engen Verwandten, ihr habt schließlich dieselbe Mutter?

DEL FABRO: (lacht) Sie haben recht, wir machen eine Hochzeit unter Schwestern, insofern sind wir ganz zeitgemäß. Dafür haben wir uns vorab erfolgreich Dispens geholt.

KUSATZ: Aber im Ernst: Natürlich war es bei den Überlegungen entscheidend, dass wir beide eng mit der Ottakringer Getränke AG verbandelt sind. Del Fabro ist seit mehr als 20 Jahren mit dem Konzern verbunden, Kolarik & Leeb befindet sich seit 2005 in einer sehr gut funktionierenden Partnerschaft mit Ottakringer.

DEL FABRO: Insofern ändert sich auch nicht wirklich viel – die Eigentümer bleiben auch bei der neuen Firma die gleichen, einerseits Ottakringer, die schon bei beiden Firmen ganz wesentlich beteiligt war, und andererseits eben ich und Karl J. Kolarik, den ich schon lange kenne und schätze. Deshalb erwarten uns kaum Überraschungen: Zwei Familienbetriebe, die zusammen seit bald 150 Jahren am Wiener Markt agieren, konkret seit 90 Jahren Kolarik und über 50 Jahre Del Fabro.

Und wie wird das neue Unternehmen heißen?

DEL FABRO: So weit sind wir noch nicht, das ist ja alles noch sehr frisch. Das werden wir sehr gründlich und ordentlich überlegen, im Endeffekt wird’s wohl darum gehen, das Beste aus beiden Welten mitzunehmen und so viel als möglich von diesen wertvollen und bestens eingeführten Marken weiter bestehen zu lassen. Es gibt zwei Eigentümer, deren Namen vertreten sind, im Idealfall werden die auch in Zukunft Teil der Marke sein.

KUSATZ: Das sehe ich genauso. Die Chance, dass es ein Kunstbegriff wird, ist gering. Es bringt nichts, sich etwas aus den Fingern zu saugen, wenn man in der glücklichen Lage ist, dass die Namen so stark für Qualität, Beständigkeit und Expertise stehen wie in unserem Fall.

Was wird sich für die Kunden ändern? Es heißt zwar immer, dass alles beim Alten bleibt – aber das kann doch kaum der Sinn so eines Zusammenschlusses sein?

DEL FABRO: Grundsätzlich sind unsere Kunden daran interessiert, dass sie eine solide, wiederkehrende Leistung bekommen, insofern wollen und werden wir uns nur Zug um Zug und schrittweise zum Besseren ändern. Konkret werden wir in der neuen Zentrale eine noch bessere Logistik bieten können, wir werden den Kundenservice in jeder Richtung ausbauen und das größte Sortiment Österreichs aus einer Hand anbieten können. Und wir werden die Expertise aus allen Getränkekategorien effektiv auf die Straße bringen.

Dr. Gerfried Kusatz - Geschäftsführer Kolarik&Leeb

Wo genau wird der neue Standort sein, was wird er können?

KUSATZ: Es wird, das können wir ohne falsche Bescheidenheit sagen, das modernste Logistikzentrum der Branche. Mehr als 7.000 verschiedene Artikel werden dauerhaft prompt verfügbar sein. Rundherum bauen wir innovative Verkaufs- und Präsentationsflächen, in denen wir die verschiedenen Welten der Marke, von Wein- über Bier- bis hin zu edlen Rum- und Whisky-Tastings, aber auch die perfekte Kaffeezubereitung durch Baristas entsprechend hochwertig in Szene setzen. Dafür brauchen wir natürlich Platz, den haben wir in Wien-Simmering gefunden – ganz konkret in der Grillgasse.

Kaffee wird da auch Thema sein?

KUSATZ: Und wie! Kolarik & Leeb hat seit 2014 Lavazza in der nationalen Verantwortung für die Gastronomie. Dazu gehört auch, unseren Kunden die besten Maschinen und Mühlen zur Verfügung zu stellen. Außerdem haben unsere auf Kaffee spezialisierten Mitarbeiter allesamt eine fundierte Ausbildung zum Barista – die können auch Profis noch den einen oder anderen Tipp geben, wie sich die Qualität entscheidend verbessern lässt.

Und überregional? Kann das Zentrallager in Wien auch in den Westen ausstrahlen?

DEL FABRO: Nicht nur das neue Lager mit der hocheffektiven Logistik, die unser Sortiment quasi über Nacht in ganz Österreich verfügbar macht, sondern mindestens ebenso die regionale Verwurzelung von Kolarik & Leeb in Westösterreich birgt extrem viel Potenzial für Del Fabro. Schließlich wird unser gesamtes Sortiment und unsere Expertise damit Zug um Zug auch in Westösterreich verfügbar. Dazu werden wir verstärkt internationale Marken an Bord zu holen versuchen.

KUSATZ: Ganz genau. Beim Bier praktizieren wir das mit Weltmarken wie Budweiser oder Paulaner schon seit Generationen mit Erfolg. Lavazza oder Lipton sind jüngere Beispiele, da gibt es noch viel Spielraum.

Zurück zum Alkohol, der ist schließlich ein ganz besonderer Saft. Welche seiner vielen Eigenschaften ist Ihnen als Profis besonders lieb? Kommunikationsmittel mit den Göttern, soziales Gleitmittel, Tuning für Sprachkurse, Anbahnungs-Accessoire, Säule der abendländischen Kultur? Oder ganz was anderes?

KUSATZ: (lacht) Was sagt man da? Je nach Lebensphase das eine oder andere und manchmal ein paar gemeinsam! Aber dass ein Bier oder ein Glas Wein auf verblüffende Weise die Fähigkeit in sich bergen, gewisse Hemmungen abzubauen und die soziale Interaktion mit Fremden zu begünstigen – diese wunderbare Eigenschaft von geistigen Getränken als Schmiermittel für die Konversation haben wir, glaube ich, alle schon einmal erleben dürfen.

DEL FABRO: Ich muss gerade an die alten Griechen denken. Haben die nicht das Prinzip gehabt, im Rausch kreativ zu sein und die wildesten Pläne zu schmieden, um sie am nächsten Tag, in nüchternem Zustand, auf ihre Tauglichkeit zu überprüfen? Dabei sind, glaube ich, ein paar Dinge entstanden, die unsere Kultur durchaus nachhaltig beeinflusst haben. Aber im Ernst: So wie wir den Markt erleben, entwickelt er sich seit Jahren weg von dieser überkommenen Idee des Rauschtrinkens. Das hat vielleicht bei ganz jungen Erwachsenen noch Relevanz – und birgt da spezielle Gefahren, die man genau beobachten muss –, aber im Großen und Ganzen geht der Trend eindeutig hin zur Qualität. 

Wir bemerken, dass die Leute ihren Genuss mehr und mehr fokussieren, auf exklusive Themen. Da spielt die feine Nuance am Gaumen eine unvergleichlich wichtigere Rolle als der Taumel im Hirn. Ob das reife österreichische Weine, feine Burgunder, alte karibische Rums oder Whisky aus Japan sind: Gerade in den vergangenen Monaten hat eine Vielzahl hoch spezialisierter, exklusiver Bars aufgemacht, die sich solchen Themen mit enorm viel Know-how, mit Leidenschaft und mit viel Sinn für das Schöne widmen. Das ist Auseinandersetzung mit dem Medium Alkohol auf hohem Niveau, das wollen wir fördern – und genau da gehen die Trends zum Glück hin.

Clemens Sadnik
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